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Garnelenfischer
Die Geschichte

Der Fischer, der nie fischt

Sieben Stunden angeln. Kein Fisch. Dafür eine Garnele, die den Köder gegessen hat.

Es gibt Fischer, die fangen Fische. Und es gibt Fischer, die heissen so.

Ich gehöre zur zweiten Sorte. Fischer ist mein Nachname, und irgendwann fand ich, ich sollte dem Namen endlich gerecht werden. Also kaufte ich mir eine Angel, einen Hut mit viel zu vielen Taschen und Gummistiefel, die bis heute nie nass geworden sind. An einem Samstagmorgen im April stand ich am Ufer, warf die Schnur aus und wartete.

Sieben Stunden lang. Kein Fisch. Nicht einmal ein interessierter.

Als ich die Schnur einholte, hing am Haken kein Barsch, sondern ein winziges, knallrotes Wesen mit zehn Beinen und dem Selbstbewusstsein eines Zollbeamten. Es hatte meinen Köder gegessen. Vollständig. Und es schaute mich an, als wäre ich das Problem.

Das war meine erste Zwerggarnele. Ich nahm sie mit nach Hause, weil man ein Tier, das einen so anschaut, nicht einfach zurückwirft. Zu Hause bekam sie ein Glas, dann ein kleines Becken, dann ein grösseres Becken, dann einen zweiten Raum. Heute stehen in meiner Wohnung mehr Aquarien als Möbel. Meine Nachbarn glauben, ich betreibe ein Labor. Meine Mutter glaubt, ich brauche Hilfe. Beide haben nicht ganz unrecht.

Was ich dabei gelernt habe

Neocaridina-Garnelen sind die besseren Mitbewohner. Sie putzen, sie streiten nicht, sie kommen in Rot, Blau, Gelb, Orange, Grün, Schwarz und in Mustern, die aussehen, als hätte jemand ein Tattoo-Studio für Krebstiere eröffnet. Sie brauchen keine Heizung, keinen Filter mit drei Motoren und keinen Doktortitel. Sie brauchen sauberes Wasser, Geduld und jemanden, der sie nicht mit einem Kampffisch zusammensperrt.

Seither züchte ich. Nicht, weil ich musste, sondern weil sich Garnelen nicht aufhalten lassen. Was bei mir aus einer einzigen roten Köderdiebin geworden ist, sind heute ein paar tausend Tiere in gesunden Schweizer Nachzuchten, gehalten in Leitungswasser aus einem ganz normalen Schweizer Hahn, verpackt in einer Styroporbox, die bei mir mehr Aufmerksamkeit bekommt als mein eigenes Frühstück.

Warum Schweizer Nachzucht

Man kann Garnelen aus Deutschland bestellen. Sie sind dort günstiger, das stimmt. Dafür stehen sie vier bis sieben Tage unterwegs, gehen durch den Zoll, kommen mit Import-Mehrwertsteuer und wurden in Wasser gross, das mit deinem nichts zu tun hat. Meine Tiere wachsen hier auf, in Wasser, das aus derselben Art Leitung kommt wie deins. Der Weg zu dir dauert eine Nacht.

Ich verkaufe keine Tiere, die ich nicht selbst nachgezogen habe. Wenn eine Farbe ausverkauft ist, dann ist sie ausverkauft, und du bekommst eine E-Mail, sobald die nächste Generation gross genug ist. Das dauert manchmal sechs Wochen. Dafür weisst du, woher das Tier kommt, und ich weiss, in welchem Becken es geschlüpft ist. Diese Nummer steht auf deinem Garnelen-Pass.

Die Chefin

Die erste Garnele, die Köderdiebin, heisst bis heute Die Chefin. Ob sie noch lebt, lässt sich nach all den Generationen nicht mehr sagen. Ich behaupte es trotzdem. In jedem Becken sitzt eine, die genauso schaut.

Ich bin also immer noch Fischer. Ich habe immer noch keinen Fisch gefangen. Aber ich habe die Garnelen. Und wenn du willst, hast du sie bald auch.

Willst du auch eine?

Zwölf Farbschläge aus der eigenen Zucht, alle mit Garnelen-Pass und Blindgänger.

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