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Garnelenfischer
Grundlagenartikel

Neocaridina-Haltung in der Schweiz

Der komplette Ratgeber für Schweizer Becken: Wasserwerte, Einrichtung, Futter und was du tust, wenn etwas schiefgeht.

Neocaridina davidi ist die Einsteigergarnele. Sie hält Temperaturen von 5 bis 30 °C aus, kommt mit hartem Schweizer Leitungswasser bestens zurecht, braucht keine Heizung und vermehrt sich ohne Zutun. Wer die folgenden Punkte beachtet, hat nach einem Jahr mehr Tiere als am Anfang.

1. Das richtige Becken

Zwanzig Liter sind die sinnvolle Untergrenze, dreissig bis sechzig Liter machen alles einfacher. Der Grund ist nicht der Platzbedarf der Tiere, sondern die Stabilität: In wenig Wasser schlagen Temperaturschwankungen, Futterreste und Verdunstung stärker durch. Ein Becken mit 54 Litern verzeiht Fehler, die ein 10-Liter-Nano nicht verzeiht.

Ausstattung, die wirklich nötig ist:

  • Schwammfilter mit Luftpumpe. Ansaugsicher, günstig und gleichzeitig eine Weidefläche. Ein Aussenfilter geht auch, braucht aber zwingend einen Ansaugschutz, sonst verschwindet der Nachwuchs.
  • Dunkler Bodengrund. Kies oder Sand in dunkler Farbe. Neocaridina passen ihre Farbe leicht dem Untergrund an; auf hellem Sand wirken alle Farbschläge blasser. Ausnahme: Black Rose und Chocolate kommen auf hellem Grund besser zur Geltung.
  • Pflanzen und Moos. Javamoos, Christmasmoos, Hornkraut, Anubias. Moos ist der wichtigste Einzelgegenstand im Garnelenbecken: Versteck für frisch gehäutete Tiere, Kinderstube für den Nachwuchs, Sammelstelle für Biofilm.
  • Laub und Wurzel. Getrocknetes Buchen-, Eichen- oder Seemandelbaumlaub liefert Dauerfutter und Gerbstoffe.
  • Deckel oder niedriger Wasserstand. Garnelen klettern. Bei Sauerstoffmangel wandern sie auch mal die Filterleitung hoch.

Eine Heizung braucht es in einer normal geheizten Schweizer Wohnung nicht. Bei 19 bis 23 °C sind Neocaridina im besten Bereich. Unter 18 °C werden sie träge und vermehren sich langsamer, was nicht schädlich ist, sondern nur langsamer. Über 27 °C sinkt der Sauerstoffgehalt, dann hilft eine zusätzliche Luftpumpe.

2. Schweizer Leitungswasser und Garnelen

Die gute Nachricht zuerst: Neocaridina davidi mögen mittelhartes bis hartes Wasser. Genau das kommt in weiten Teilen der Schweiz aus dem Hahn. Anders als bei Bienengarnelen (Caridina) braucht es keine Osmoseanlage und kein Aufhärtesalz.

Region (Richtwerte)GesamthärteEignung für Neocaridina
Mittelland, Zürich, Bern, Baselca. 15 bis 25 °dGHideal, direkt verwendbar
Innerschweiz, Voralpenca. 10 bis 20 °dGHideal
Alpentäler, Tessin, Teile Graubündensca. 3 bis 8 °dGHweich, ggf. mit Mineralsalz auf 6 bis 8 °dGH anheben

Die genauen Werte für deine Gemeinde stehen in der jährlichen Trinkwasseranalyse deines Wasserversorgers, meist als PDF auf der Gemeindewebsite. Ein Tröpfchentest für GH und KH kostet rund CHF 15 und beantwortet die Frage in fünf Minuten selbst.

Zielbereich für Neocaridina: GH 6 bis 20 °dGH, KH 3 bis 15 °dKH, pH 6.5 bis 8.0, Leitwert 200 bis 800 µS/cm. Wichtiger als der exakte Wert ist die Konstanz. Ein Becken, das stabil bei 22 °dGH läuft, ist besser als eines, das zwischen 8 und 18 schwankt.

Kupfer ist der Killer. Wirbellose reagieren empfindlich auf Kupfer. Achte darauf bei Pflanzendüngern (Volldünger enthalten oft Spurenelemente inklusive Kupfer, in Aquariendosierung meist unproblematisch), bei Fischmedikamenten (viele sind für Garnelen tödlich) und bei alten Kupferleitungen im Haus. Wasser aus einer Kupferleitung erst zwei Minuten laufen lassen.

3. Einfahren, bevor Tiere einziehen

Ein neues Becken braucht drei bis vier Wochen, bis der Filter genug Bakterien hat, um Ammonium und Nitrit abzubauen. Diese Zeit ist nicht verhandelbar. Nitrit ist für Garnelen bereits in Spuren tödlich, und man sieht es dem Wasser nicht an.

  1. Becken einrichten, mit Wasser füllen, Filter und Beleuchtung in Betrieb nehmen.
  2. Pflanzen einsetzen. Sie verbrauchen Nährstoffe und beschleunigen den Prozess.
  3. Eine kleine Futtermenge oder ein Stück Laub als Startnahrung für die Bakterien einbringen.
  4. Ab Tag 14 alle paar Tage Nitrit messen. Es steigt zuerst an, dann fällt es.
  5. Erst wenn Nitrit über mehrere Tage bei null bleibt, dürfen Tiere einziehen.

Wer den Prozess abkürzen will, nimmt Filtermaterial oder Mulm aus einem laufenden, gesunden Becken. Das halbiert die Wartezeit. Bakterienstarter aus der Flasche helfen etwas, ersetzen die Messung aber nicht.

4. Der Einzug

Garnelen reagieren empfindlich auf plötzliche Änderungen des Leitwerts, nicht so sehr auf die Temperatur. Deshalb wird nicht kurz angeglichen, sondern zwei bis drei Stunden lang getropft. Die vollständige Anleitung steht im Artikel Garnelen eingewöhnen mit der Tropfmethode.

Kurzfassung: Beutel öffnen, Inhalt samt Tieren in einen Eimer geben, mit einem Luftschlauch und einer Klammer langsam Beckenwasser zutropfen, bis sich das Volumen verdrei- bis vervierfacht hat, dann die Tiere mit dem Netz oder der Hand ins Becken setzen. Das Transportwasser bleibt im Eimer.

5. Fütterung

Die häufigste Todesursache bei Garnelen im Anfängerbecken ist nicht Hunger, sondern Überfütterung. Neocaridina fressen den ganzen Tag Biofilm, Algenaufwuchs und zersetztes Laub. Zusatzfutter ist die Kür, nicht die Pflicht.

  • Zwei- bis dreimal pro Woche eine Menge, die in zwei bis drei Stunden restlos weg ist.
  • Dauerfutter: getrocknetes Laub (Buche, Eiche, Seemandelbaum), Erlenzäpfchen, ein Stück Mooskugel.
  • Abwechslung: Garnelenfutter mit Pflanzenanteil, gelegentlich blanchierter Spinat, Zucchini oder Brennnessel. Proteinfutter (Frostfutter, Proteinsticks) höchstens einmal pro Woche.
  • Ferien: Bis zwei Wochen ohne Zusatzfutter ist kein Problem, wenn Laub und Moos im Becken sind. Kein Futterautomat, keine Urlaubskugel.

6. Pflege im Alltag

Ein eingefahrenes Garnelenbecken ist pflegeleichter als ein Fischbecken. Der Wochenplan:

AufgabeRhythmusWarum
Wasserwechsel 10 bis 20 Prozentwöchentlichhält Werte stabil, ohne eine Häutung auszulösen
Verdunstetes Wasser nachfüllenbei Bedarfmit Osmose- oder abgestandenem Wasser, sonst steigt die Härte
Filterschwamm ausdrückenalle 4 bis 8 Wochenim Beckenwasser ausdrücken, nie unter dem Hahn
Laub nachlegenalle 2 bis 4 WochenDauerfutter und Gerbstoffe
GH, KH, Nitrit prüfenmonatlichAbweichungen früh erkennen

Kleine Wasserwechsel schlagen grosse. Ein Wechsel von 50 Prozent verändert den Leitwert schlagartig. Die Tiere reagieren darauf oft mit einer Häutung, und eine Häutung zum falschen Zeitpunkt überleben nicht alle. Wöchentlich 10 bis 20 Prozent ist die sichere Routine.

7. Vermehrung

Neocaridina vermehren sich im Süsswasser ohne Zwischenstadium. Es braucht keine Aufzuchtbecken und kein Brackwasser. Wenn die Bedingungen stimmen, passiert es von selbst.

Ein Weibchen trägt 20 bis 30 Eier für rund drei bis vier Wochen unter dem Hinterleib und fächert sie ununterbrochen mit den Schwimmbeinen, um sie mit Sauerstoff zu versorgen. Die Jungtiere schlüpfen als fertige Miniaturgarnelen von etwa 2 mm und fressen ab dem ersten Tag dasselbe wie die Eltern. Sie brauchen nur zwei Dinge: dichtes Moos als Versteck und keine Fische, die sie als Futter betrachten.

Geschlechter erkennst du ab etwa 1.5 cm: Weibchen sind grösser, kräftiger gefärbt, haben einen gerundeten Bauchansatz und oft einen sichtbaren gelblichen Eierstock im Nacken (die sogenannte Sattelbildung). Männchen bleiben schlanker und blasser.

8. Farbschläge und Kreuzungen

Alle bunten Neocaridina stammen von derselben, ursprünglich unscheinbar braunen Wildform ab. Rot, Blau, Gelb, Orange, Grün, Schwarz und die Rili-Muster sind Zuchtformen. Das hat eine praktische Folge: Sie kreuzen sich untereinander problemlos.

Setzt du Blue Dream und Yellow Fire ins gleiche Becken, hast du nach zwei bis drei Generationen wieder wildfarbene, bräunliche Tiere. Das ist für die Tiere kein Problem, aber deine Farbe ist weg und nicht wieder herstellbar.

Regel: Ein Becken, ein Farbschlag. Wer mehrere Farben will, braucht mehrere Becken. Die einzige Ausnahme sind Caridina-Arten (Bienengarnelen, Tigergarnelen), die sich mit Neocaridina nicht kreuzen und deshalb zusammen gehalten werden dürfen, sofern die Wasserwerte für beide passen.

Auch innerhalb einer Farbe lohnt sich Selektion: Wer die am besten gefärbten Tiere zur Weiterzucht behält und blasse Exemplare aussortiert, hat nach ein paar Generationen eine kräftigere Linie. Genau so sind die Farbschläge entstanden, die du heute kaufen kannst.

9. Wenn etwas schiefgeht

BeobachtungWahrscheinliche UrsacheWas tun
Tiere sterben nach dem Wasserwechselzu grosser Wechsel, Leitwertsprungkünftig nur 10 bis 20 Prozent, Wechselwasser temperieren
Weisser Ring quer um den Körpermisslungene Häutung (weisser Todesring)meist zu wenig Mineralien oder Sprung der Werte; GH prüfen, Wechsel verkleinern
Tiere hängen apathisch an der ScheibeNitrit, Sauerstoffmangel oder Kupfersofort messen, Belüftung erhöhen, Wasser teilweise wechseln
Farbe verblasstheller Bodengrund, Stress oder Einkreuzungdunkler Grund, Ruhe, Linien trennen
Kein Nachwuchs sichtbarFische fressen ihn, oder zu wenig VersteckMoos verdichten, Fische entfernen
Weisse Fäden im BeckenPlanarien oder Hydra, meist mit Futter eingeschlepptweniger füttern; Bekämpfungsmittel nur wirbellosensicher wählen

Zusammengefasst

Ein 20- bis 60-Liter-Becken, dunkler Bodengrund, Moos, Schwammfilter, Schweizer Leitungswasser, vier Wochen einfahren, zehn Tiere einsetzen, sparsam füttern, wöchentlich klein wechseln. Mehr braucht es nicht. Wenn du diesen Text einmal gelesen hast, weisst du mehr als die meisten, die im Zoofachhandel beraten werden.

Garnelen aus Schweizer Nachzucht

Zwölf Farbschläge, Versand Montag und Mittwoch, Lebendankunft garantiert.

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