Marktplatz: kostenlos, keine Provision
Garnelenfischer
Anleitung

Garnelen eingewöhnen mit der Tropfmethode

Zwei bis drei Stunden Geduld entscheiden darüber, ob die Tiere die erste Woche überstehen.

Die Eingewöhnung ist der gefährlichste Moment im Leben einer gekauften Garnele. Nicht die Reise, sondern der Wechsel ins neue Wasser. Wer sie zu schnell umsetzt, verliert Tiere, die den Transport problemlos überstanden haben.

Warum überhaupt tropfen? Garnelen regulieren ihren Salz- und Mineralhaushalt über die Kiemen. Ändert sich der Leitwert schlagartig, gerät dieser Haushalt aus dem Gleichgewicht (Osmoseschock). Die Tiere sterben oft erst Stunden später. Temperatur lässt sich in Minuten angleichen, der Leitwert braucht Stunden.

Was du brauchst

  • Einen sauberen Eimer oder eine grosse Schüssel, nie mit Spülmittel gereinigt
  • Einen Luftschlauch, etwa 1 Meter
  • Eine Wäscheklammer oder einen Rollenregler
  • Ein Kescher-Netz oder einen Becher
  • Zwei bis drei Stunden Zeit

Schritt für Schritt

  1. Auspacken filmen, dann öffnen. Film das Auspacken in einem Stück, vom verschlossenen Paket bis zum ungeöffneten Beutel. Falls Tiere tot angekommen sind, ist diese Aufnahme das beste Beweismittel für eine Beanstandung, siehe Garnelen tot angekommen. Geht kein Video, tut es ein zeitgestempeltes Foto.
  2. Beutel in den Eimer entleeren. Das gesamte Transportwasser samt Tieren und Moos kommt in den Eimer. Der Beutel sollte gerade so bedeckt sein, kippe den Eimer notfalls leicht an.
  3. Licht dimmen. Kein direktes Licht auf den Eimer. Die Tiere kommen aus einer dunklen Box und sind gestresst.
  4. Schlauch anlegen. Ein Ende ins Aquarium, das andere in den Eimer. Am Aquarienende ansaugen, bis Wasser läuft, dann mit der Klammer so weit abklemmen, dass etwa ein bis zwei Tropfen pro Sekunde fallen.
  5. Warten, bis sich das Volumen vervierfacht hat. Aus 200 ml Transportwasser werden also rund 800 ml. Das dauert je nach Tropfgeschwindigkeit zwei bis drei Stunden. Zwischendurch nichts beschleunigen.
  6. Tiere umsetzen, Wasser nicht. Fange die Garnelen mit dem Netz oder einem Becher heraus und setze sie ins Becken. Das Transportwasser kommt weg, nicht ins Aquarium: Es enthält Ausscheidungen aus der Reise.
  7. Ruhe geben. Licht für den Rest des Tages aus, am ersten Tag nicht füttern. Die Tiere verstecken sich einige Stunden. Das ist normal.

Die häufigsten Fehler

FehlerFolge
Beutel nur 20 Minuten schwimmen lassen und dann auskippenOsmoseschock, Verluste nach 6 bis 48 Stunden
Transportwasser mit ins Becken gebenBelastung des Beckens, mögliche Keimeinschleppung
Zu schnell tropfen (Wasserstrahl statt Tropfen)gleicher Effekt wie gar nicht tropfen
Am ersten Tag fütternFutter bleibt liegen, belastet das Wasser
Becken war erst zwei Wochen in BetriebNitritpeak, für Garnelen tödlich

Was in den ersten Tagen normal ist

Die Tiere sind blass, verstecken sich, sitzen still im Moos. Nach ein bis drei Tagen kommen sie heraus und beginnen zu weiden. Die Farbe wird über zwei bis vier Wochen intensiver, weil sich die Tiere an den Bodengrund anpassen und in Ruhe fressen können. Eine erste Häutung in den ersten Tagen ist normal, die leere Hülle bleibt im Becken und wird gefressen.

Wenn nach drei Tagen mehrere Tiere verloren gehen, liegt es fast immer am Becken, nicht an den Garnelen. Miss Nitrit, GH und KH und melde dich; Hilfe ist kostenlos.

Quellen und Stand

Alle Fachquellen abgerufen am 11. September 2026. Die Zielbereiche in diesem Text sind die Haltungsempfehlung des Fischers aus seiner privaten Haltung, keine Studienergebnisse. Wo eine Quelle etwas anderes sagt als hier empfohlen wird, steht das ausdrücklich dabei.

Warum das Transportwasser nicht ins Becken gehört. Im geschlossenen Beutel sammelt sich Kohlendioxid und drückt den pH-Wert. Ammonium bleibt dabei weitgehend in seiner ungiftigen Form. Wird der Beutel geöffnet, entweicht das Kohlendioxid, der pH steigt, und ein wachsender Anteil kippt in giftiges Ammoniak. Wie steil dieser Anteil mit dem pH steigt, zeigt die unten genannte Quelle von Kubitza. Deshalb zügig arbeiten und das Transportwasser entsorgen.

  • Thabet, R., Ayadi, H., Koken, M., Leignel, V. (2017): Homeostatic responses of crustaceans to salinity changes. Hydrobiologia 799, 1 bis 20. Beschreibt Kiemen und Antennendrüsen als die zentralen Organe der Salz- und Mineralregulation bei Krebstieren und die Natrium-Kalium-ATPase als die Pumpe, die auf schnelle Ionenänderungen reagieren muss. doi.org
  • Kubitza, F. (2026): Water quality impacts on health and performance of fish and shrimp, Part 3: The nitrogenous compounds ammonia, nitrite and nitrate. Global Seafood Alliance, 6. Juli 2026. Der giftige Anteil des Ammoniaks am Gesamtammonium steigt mit dem pH-Wert steil an: bei 28 °C sind es laut dieser Quelle 0.71 Prozent bei pH 7.0, 6.6 Prozent bei pH 8.0 und 41.7 Prozent bei pH 9.0. globalseafood.org
  • U.S. Fish and Wildlife Service (2025): Cherry Shrimp (Neocaridina davidi) Ecological Risk Screening Summary. März 2025, überarbeitet April 2025, Webfassung vom 13. Juni 2025. Nennt nach Prati und anderen (2024) für die Nachzucht in Gefangenschaft 14 bis 30 °C, pH 6 bis 8.2 und eine Gesamthärte von 0 bis 27. Das ist ein gemessener Toleranzbereich, keine Haltungsempfehlung, und er ist breiter als unserer. fws.gov
  • Das Vorgehen bei einem Transportschaden, auf das sich Schritt 1 bezieht, steht im Ratgeber Garnelen tot angekommen und in den AGB, Ziffer 6.

Auf der Suche nach Garnelen?

Schweizer Nachzucht direkt bei Züchterinnen und Züchtern auf dem kostenlosen Marktplatz.

Zum Marktplatz